Russische IT-Experten von Kaspersky Lab haben einen Computervirus mit der Bezeichnung Flame entdeckt. Es soll die komplexeste Bedrohung sein, die je entdeckt wurde. Auch die Vereinten Nationen werden jetzt aktiv. Die UNO wird demnächst eine Warnung vor dem PC-Virus herausbringen.
Wie Marco Obiso, Sicherheitschef der UNO, ankündigte, wird die UNO in Kürze eine Warnung zum “Flame”-Virus herausbringen. Einen solchen scharfen Sicherheitshinweis hatte die Einrichtung bislang noch nicht ausgesprochen. Bereits jetzt hatte Kaspersky Lab am Dienstag vor “Flame” gewarnt. Der neue Virus soll laut Kaspersky Lab bereits seit März 2010 aktiv sein, konnte bislang aber nicht aufgespürt werden. Flame soll zielgerichtete Angriffe ausführen – wie auch Stuxnet und Duqu.
Mögliche Ziele seien Israel, der Iran, Syrien, Libanon, Ägypten und Saudi-Arabien. Flame wird auch für viele Cyberangriffe gegen das iranische Atomprogramm verantwortlich gemacht. Es wird vermutet, dass eine Regierung hinter “Flame” steckt. Deutsche Firmen und Privatanwender sollen laut Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik nicht gefährdet sein.
Flame spioniert aus
Oft wird der Vergleich von “Flame” mit “Stuxnet” gemacht. Sie ähneln sich allerdings nur im Aufbau. Stuxnet ist eine Sabotage-Software, während Flame eine Spionage-Software ist. Flame hat auch weitaus mehr Funktionen und wurde im Baukastenprinzip aus etwa 20 Modulen erstellt. Laut Kaspersky Lab kann Flame E-Mails, Dokumente, das Netzwerk und Chat-Protokolle ausspionieren. Auch Bildschirmfotos kann der Computervirus anfertigen und sogar Mikrofone einschalten oder unbemerkt Skype aufnehmen, um Nutzer abzuhorchen. Audio-Dateien der Aufnahmen versendet Flame automatisch.
Laut Kaspersky Lab verbreitet sich der Computervirus über infizierte USB-Sticks, über das LAN, Webseiten oder manipulierte E-Mails. Gesteuert wird Flame über externe Computer aus dem Internet.
Mit Flame werden Cyberkrieg und Cyberspionage neu definiert
Sicherheitsexperte Alexander Gostev von Kaspersky Lab beschreibt Flame als eine der komplexesten Bedrohungen. Flame sei groß und intelligent. Cyberkrieg und Cyberspionage werden durch Flame neu definiert.
Flame hat Untersuchungen nach bis zu 5.000 Computer infiziert. 600 Rechner wurden bereits identifiziert. Ein Großteil stammt aus dem Iran (198) und Israel (98). Wer genau hinter der Programmierung von Flame steckt, ist unklar. Zumindest sollen es nicht die selben Entwickler sein, die auch hinter Stuxnet stecken – so Alexander Gostew (Chefexperte bei Kaspersky Lab) gegenüber der Welt. Schätzungen nach sollen 10 bis 20 Programmierer an Flame arbeiten. Vize-Premierminister Mosche Jaalon setzte in Israel das Gerücht in die Welt, dass sein Land dahinter stecke.
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