Am heutigen World IPv6 Launch starten viele Unternehmen und ISPs die Umstellung auf neue IP-Adressen nach dem IPv6-Standard. Der Vorgänger IPv4 wird weiterhin unterstützt, aber mit der Zeit ersetzt. IPv6 ist notwendig, weil immer mehr internetfähige Geräte vorhanden sind und die Anzahl der IP-Adressen knapp wird.
IP-Adressen nach dem IPv4-Format sind 32-stellige Zahlencodes. Jede Webseite mit einer Endung, wie .de oder .com, hat eine eindeutige IP-Adresse, die für die Adressierung notwendig ist. Nutzer geben zwar den Domainnamen ein, aber ein sogenannter Nameserver löst jede Anfrage auf und leitet Datenverkehr zur IP-Adresse und damit dem Server auf dem die Webseite gehostet ist. Jedes Gerät, wie Smartphone, Computer oder Router hat ebenfalls eine IP-Adresse.
IPv6 muss eingeführt werden, da IPv4 insgesamt “nur” 4,3 Milliarden IP-Adressen zulässt. Allerdings gibt es immer mehr internetfähige Geräte. Fast alle Adressen sind aufgebraucht oder reserviert. Neben Computern und Smartphones verbrauchen nämlich auch Fernseher und in Zukunft Autos, Mikrowellen, Heizungen oder Kühlschränke IP-Adressen. Besonders Länder, wie China, brauchen dringend neue IP-Adressen für die große und wachsende Bevölkerung.
Nach IPv6 können weitaus mehr IP-Adressen bereitgestellt werden. Erstmals wurde der Standard vor 16 Jahren vorgestellt. Während eine IPv4-Adresse aus 32 Ziffern besteht, setzt sich eine IP-Adresse nach IPv6 aus 128 Stellen zusammen. Die Anzahl an eindeutigen IP-Adressen ist gewaltig: 340 Sextillionen.
340 Sextillionen als Zahl: 340.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000
Die Umstellung führen in Deutschland zunächst 1.400 IT-Unternehmen durch. Insgesamt sind es mehr als 3.000 Anbieter, wie Google, Microsoft oder Yahoo. Geplant ist 02:01 Uhr (MESZ). Allerdings sind nach wie vor vorerst IPv4-Adressen gültig. Sie werden von den Nameservern parallel ausgeliefert, da IPv6 nicht abwärtskompatibel ist. Private Nutzer werden von der Umstellung nichts bemerken.
Teilweise wird es notwendig sein im Router eine Einstellung zu ändern oder eine neue Firmware zu laden. Dafür soll das Internet insgesamt schneller werden und mehr Funktionen bieten. In Zukunft sind werden Nutzer im Haushalt vielen Geräten eine eigene IP vergeben können. NAT oder Portforwarding werden nicht mehr notwendig sein. Das birgt aber auch Risiken: Die Geräte werden aus dem Internet direkt erreichbar sein. Eine gute Firewall am Router oder dem Gerät selbst ist also wichtig – genau so das technische Verständnis des Anwenders.
Wenn nämlich plötzlich der Herd aus dem Internet ferngesteuert anspringt oder der Streaming-Server zum Downloadserver für urheberrechtlich geschütztes Material wird, wird es für den Hausbesitzer brenzlich.
Ein passendes Video zu IPv6 mit Vint Cerf (Chief Internet Evangelist bei Google) haben wir ebenfalls:
Bislang wurden aufgrund der Adressknappheit bei IPv4 die IP-Adressen dynamisch vergeben. Nur die Internetprovider wussten welcher Nutzer hinter einer IP steckte. Mit IPv6 wäre die dynamische Vergabe nicht notwendig.
Für Anwender steigt das Risiko bei IPv6. Die neuen IP-Adressen könnten zum Autokennzeichen werden – die Anonymität im Internet wäre gefährdet. Sogenannte Privacy Extensions könnten in IPv6 für Abhilfe schaffen. Ein Teil der IPs würde dadurch ausgewürfelt bzw. anonymisiert werden. Windows XP, Vista und Windows 7 nutzen dies bereits per Default. In Mac OS X und Linux muss der Anwender erst die Privacy Extension aktivieren.
Bei Smartphones ist ebenfalls zu unterscheiden: Android- und Symbian-Nutzer surfen aktuell immer ohne Privacy Extension. Besitzer von iPad und iPhone brauchen nichts einzustellen. Nutzer mit Windows-Phone brauchen sich noch keine Gedanken machen, da erst Windows Phone 8 den IPv6-Standard beherrschen wird.
RIPE NCC (europäischer Adressverwalter) stellt Statistiken zum IPv6 Launch Day bereit. Wer sich das anschauen möchte, schaut sich das Dual Stack Connectivity Chart an.

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